1&1 DSL Routing: Hop Counts unterschiedlich

Seit über einem Jahr zeichne ich die Anzahl der Hops von einer Reihe DSL-Anschlüssen auf (siehe hier). Mein Monitoring-Server läuft dabei hinter einem statischen Anschluss der Telekom, während die privaten Internetanschlüsse von diversen Anbietern (1&1, Kabel Deutschland, Telekom) kommen. Nun habe ich leider nicht im Detail die Ahnung davon, wie diese Anbieter ihren Traffic routen, zumindest scheint aber 1&1 irgendetwas Komisches bei sich verbaut zu haben, da sehr oft nach der nächtlichen Zwangstrennung ein deutlicher Unterschied in der Anzahl der Hops zu sehen ist.

Alle meine Zählungen kommen also von einer statischen IP-Adresse der Telekom. Somit ist zumindest bei mir die erste Meile sehr statisch geroutet. Der Graph zu einem Glasfaseranschluss der Telekom (inkl. ein paar Reconnects) zeigt wie erwartet auch immer den gleichen Hop Count an (abgesehen von dem Peak, der wohl ein temporärer Fehler war):

Telekom Glasfaser konstant

Auch das Routing zu Kabel Deutschland scheint sehr konstant zu sein, obgleich es hin und wieder mal Ausreißer gibt, die wohl auf kleinere Routing Entscheidungen innerhalb der ISPs oder des globalen BGP zurückzuführen sind. Eine tägliche Zwangstrennung gibt es hier ja nicht:

Kabel Deutschland konstant mit Hüpfern

Weitaus komischer finde ich da das Verhalten bei den 1&1 DSL-Anschlüssen. Nach fast jeder nächtlichen Zwangstrennung hüpft der Hop Count des Traceroutes um zwei Hops nach oben bzw. wieder nach unten. Ich habe entsprechend die vergebenen IPs an den Anschlüssen beobachtet: Diese kamen aus zwei großen Bereichen (obwohl ich nicht genau sagen kann, welche es sind). Je nachdem aus welchem Bereich die IP kam, war der Pfad zum DSL-Router länger oder kürzer. Weiß jemand, was das ist? Ich hätte vermutet, dass die Layer-2 Verbindung zu 1&1 immer die gleiche ist, und man auch dort beim gleichen Router raus kommt. Dem ist aber anscheinend nicht so. Hm.

1und1 Hop Count nach Zwangstrennung

Und noch ein bisschen interessanter finde ich, dass genau dieses Verhalten seit ca. Mai 2015 nicht mehr der Fall ist, obwohl nach wie vor die nächtliche Zwangstrennung stattfindet. Trotzdem hat sich die Anzahl der Hops in den letzten Wochen nicht verändert. (Die Senkung von 11 auf 10 Hops Anfang Juni im folgenden Graphen hing mit einer Umstellung bei mir zusammen):

1und1 Jahresübersicht Hop Hüpfer weg seit Mai 2015

Jo, es ist zwar jetzt nicht weltbewegend, aber irgendwie fand ich die Beobachtung interessant. Vielleicht weiß ja jemand mehr? Wenn man im Internet nach “Routing innerhalb 1&1” oder so googelt, findet man viel, aber keine technischen Details, so wie ich sie möchte. 😉

2 thoughts on “1&1 DSL Routing: Hop Counts unterschiedlich

  1. Schöne Zusammenstellung. Sie müssen jedoch weitere Faktoren beachten, so dass sich einige der Aussagen relativieren:

    1. Die für 1&1-DSL benötigte Acces-Infrasturktur betreibt 1&1 nicht selber, sondern nutzt Wholesale-Angebote verschiedener Accessnetzbetreiber für die Breitband-Versorgung der eigenen Kunden. Dies schließt in Teilen auch die IP-Terminierung mit ein. Der klassische Internettraffic (hier: ihr Traceroute) fließt somit in der Regel nicht über das IP-Backbone von 1&1. Dies gilt für IPv4 wie auch IPv6, jedoch natürlich nicht für von 1&1 selber betriebenen Diensten (VoIP, SmartDrive,Hosting, Mail, … ).

    2. IP-Traffic wird zwischen zwei Carriern an sog. Peerings übergeben. Routing-Informationen werden dabei via BGP ausgetauscht. Mittels BGP kann ein Carrier durchaus beeinflussen, an welchem Peering er Traffic für welche IP-Range gerne übergeben bekommen haben möchte. Haben Carrier A und B in München und Frankfurt jeweils ein Peering, so kann es durchaus sein, dass Traffic für/von bestimmte Netze meistens in Frankfurt und für/von andere Netze meistens in München übergeben wird. Kleine Schwankungen im Hopcount sind daher als normal anzusehen. So funktioniert das Internet. Durch den Einsatz von MPLS-Trafficengineering ist (z.B.) ist die Hopcount-Anzahl eh absolut nicht aussagekräftig.

    MFG

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