10 € Flightradar24-Stick (ADS-B via DVB-T)

Mir macht das Basteln mit Computertechnik ja vor allem dann Spaß, wenn über Hardware irgendwelche Daten fließen, die man dann per Software auswerten kann. Zum Beispiel Temperatur-Sensoren oder GPS- & WLAN-Empfänger. Auch das Empfangen von ADS-B Signalen von Flugzeugen, wie es vor allem von Flightradar24.com ausgewertet wird, hat mich sehr interessiert. Als ich neulich auf deren Homepage gelesen habe, dass man nicht mehrere hundert Euro für einen Empfänger ausgeben muss, sondern für wenig Geld einen einfachen DVB-T Stick benutzen kann, schlug ich sofort zu. Hier ein Erfahrungsbericht:

[Dieser Beitrag ist Teil einer Serie über ADS-B. Hier gibt es eine strukturierte Übersicht.]

DVB-T Stick

Der Trick ist der, dass neuere DVB-T Sticks, die ja eigentlich zum Empfang von Fernseh-Signalen zuständig sind, per alternativem Treiber dazu gebracht werden können, auch auf der Frequenz von den ADS-B Signalen zu empfangen. Ein kurzer Blick auf Wikipedia offenbart, dass die DVB-T Frequenzen im Bereich bis 786 MHz liegen. Da ADS-B auf 1090 MHz läuft kann man sich also vorstellen, dass das hin haut. Laut Flightradar24 muss man einen DVB-T Stick erwerben, der einen Chip der Version RTL2832U/R820T hat. Eine kurze Suche bei eBay hat mich auf einen Stick aus Shanghai/China gebracht, der für 9,65 € inkl. Versand bestellbar war. Cool. (Wie machen die das?) Nach ein paar Wochen Versandzeit (die ja auch so angegeben war) kam er an. Und los konnte es gehen.

Installation Treiber & Software

Bei der Installation habe ich mich ziemlich genau an die Anleitung auf Flightradar24.com gehalten. Damit hat auch alles geklappt, weswegen ich das hier auch nicht noch mal posten muss. Wichtig nur der Hinweis, dass von Windows jedes mal beim Hochfahren die Meldung “Neues Gerät gefunden; Treiber installieren” kommt, die man halt immer wegklicken muss.

Neben dem alternativen Treiber und der RTL1090 Software zum Empfang der ADS-B Signale habe ich noch folgende Programme getestet:

  • PlanePlotter: Diese Software zeichnet alle empfangenen Flugzeuge sowie deren Flugroute in eine Karte ein. Per einfachem Klick kann man sich z.B. eine Karte vom OpenStreeMap Projekt einblenden lassen. Leider ist das Programm nur für eine Testzeit von 21 Tagen kostenlos (Shareware). Danach müsste man zahlen. Ich verwende sie seit dem nicht mehr.
  • SBSplotter: Zeigt den Umkreis (Polygon) des Empfangsbereichs an. Dadurch kann man erkennen, wie weit der Empfang von den ADS-B Signalen in alle Himmelsrichtungen geht.
  • Virtual Radar Server: Ein kompletter HTTP-Server, der die Flugzeuge ähnlich zu Flightradar24 auf einer Google Maps Karte darstellt. Definitiv das coolste Programm von allen! Hierüber werde ich einen extra Blogpost schreiben.

Empfang im Bereich Frankfurt

Ich wohne in direkter Nähe zu Frankfurt. Das macht den Empfang von Flugzeugen natürlich besonders interessant. ;) Bei freier Sicht gen Himmel konnte ich mit der Standard mitgelieferten DVB-T Antenne immerhin 142 Flugzeuge empfangen. (Freier Testversuch am Nachmittag. Die Anzahl der Flugzeuge variiert natürlich stark.) Sehr cool im Vergleich zu ähnlichen Projektseiten, die sich über eine zweistellige Anzahl an Flugzeugen freuen. Hier ein Screenshot der rtl1090 Software:

rtl1090 Empfang Outside 142

Leider konnte ich die Antenne nicht auf dem Dach platzieren. :( So musste ich mich mit einem Zimmer an der Südseite begnügen, in dem ich die Antenne zwar an der Außenwand, aber immer noch im Raum platziert habe. SBSplotter zeigt sehr schön, wie dadurch der Empfang in Richtung Süden ziemlich gut ist, während nach Norden quasi nichts (!) empfangen wird. Schade. Man bedenke, dass mein Standort bei der folgenden Grafik der Mittelpunkt ist:

SBSplotter Outside

Die folgenden drei Screenshots von PlanePlotter zeigen folgende Situationen: 1) den Empfang mit einer auf dem Balkon platzierten Antenne, 2) beim Empfang innerhalb des Gebäudes (wie eben beschrieben) mit einer näheren Zoom-Stufe, und 3) den gleichen Bereich nach dem Plotten von 8 Tagen. Ganz schön Flugverkehr hier…

 

Flightradar24 Feeder

FlightRadar24-FeederNatürlich habe ich auch den Flightradar24 Feeder installiert. Schließlich mag ich solche Arten von Projekten, bei denen man der Allgemeinheit etwas zur Verfügung stellt und somit nicht nur kostenlos aus dem Internet konsumiert. Zugegebenermaßen ist der Feeder ziemlich unspektakulär, funktioniert aber ohne Probleme.

Und immerhin: Wenn ihr bei Flightradar24 im Bereich von Frankfurt die Flugzeuge betrachtet, werden die Daten unter anderem auch von mir gefüttert. ;)

Fazit

Viel Freude an Daten, die in der Luft herumschwirren – und das für wenig Geld. Allein die Tatsache, dass wenn man in den Himmel guckt und ein Flugzeug sieht, man weiß, dass man dieses Flugzeug auch gerade selber empfängt, ist schon cool. (In der Hoffnung, dass mich jemand versteht???)

12 thoughts on “10 € Flightradar24-Stick (ADS-B via DVB-T)

  1. Wenn ich das richtig verstehe muss dein Windows-Rechner laufen, um die Daten über den Flightradar-Feeder an Flightradar24 zu füttern. Wenn man das z.B. über den RaspberryPi machen könnte würde ich mir auch einen DVB-T-Stick dafür zulegen. Das wäre doch mal ein Projekt ;o)

  2. Hallo Johannes,

    vielen Dank für deinen aufschlussreichen Bericht. Auch ich werde ab Mitte Mai 2015 bei flightradar einliefern und bestimmt auch die verschiedenen Programme mal ausprobieren, die du beschrieben hast. Allerdings wohne ich in Tunesien und werde mir hier von Deutschland einen DVBT-Stick mitnehmen. Es soll in unserer Region auch ein paar “tote Winkel” bestehen, die nicht abgedeckt werden, deshalb bemühe ich mich parallel um einen kostenlosen Profireceiver von flightradar.
    http://www.flightradar24.com/36.1,11.94/7

    In Planung bei mir ist auch das Tracken von Schiffen im Mittelmeer, das ist aber kostenaufwendiger, da man einen AIS-Empfänger haben muss, die ab 150 Euro aufwärts kosten. Bei uns gibt es zwei Häfen, die nicht vom Netz abgedeckt werden, auch hier bemühe ich mich um einen Receiver von marinetraffic.com.

    Bei marinetraffic.com kann man übrigens eine Karte seiner gewünschten Region auf der eigenen Homepage einbinden, was auch im Inland abseits der Meere funktioniert. Auf den deutschen Flüssen sind reichlich Schiffe unterwegs, meine Heimatregion findest du hier:
    http://soussewetter.de/meteo/index.php/wetter-in-tunesien/schiffe-tracken

    Wünsche dir ein schönes Wochenende.

    Viele Grüße aus Düsseldorf (ab 10. Mai wieder Tunesien)

  3. Hallo !

    Zitat : “Natürlich habe ich auch den Flightradar24 Feeder installiert. Schließlich mag ich solche Arten von Projekten, bei denen man der Allgemeinheit etwas zur Verfügung stellt und somit nicht nur kostenlos aus dem Internet konsumiert. ”

    Wahnsinn wie ihr euch von FR24 einspannen lasst, und alle freiwillig noch mehr Geld investiert, um Leuten zu unterstützen, die in diesem Nischenmarkt allen anderen ohne mit der Wimper zu zucken den Hahn zudrehen. Mitnichten sind die Daten der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Vornehmlich sind sie FR24 geschenkt. (Wusstet Ihr, dass andere für diese Daten teuer Geld an FR24 und Co. bezahlen?) Das Geschäftsmodell würde kollabieren, wenn nicht 1000de gutgläubige Mitmacher kostenlos Installation, Support, Strom und Überwachung jeder einzelnen Anlage liefern würden, damit einer Handvoll Leute in Stockholm davon profitieren und fleißig Apps verkaufen kann. Mannmannmann.

    1. Na also bitte… Ganz umsonst gibt man die Daten ja nun auch nicht ab. Immerhin bekommt man im Gegenzug dafür eine kostenlose Premium Mitgliedschaft bei der man alle FR24 Dienste und Apps kostenlos benutzen darf. Ich finde das ist ein fairer Tausch.
      Außerdem kann man sehen wie gut (oder schlecht) der eigene Empfänger ist, im Vergleich zu anderen.
      Es hält einen auch niemand davon ab die Daten bei irgendeinem Open Data Projekt einzuspeisen. Wenns da eines gibt wäre es doch schön wenn du das hier kurz benennen würdest, dann würde ich die Daten auch dort einspeisen.
      Mit dem RASPi ist das Ganze übrigens komplett schmerzlos einzurichten gewesen. FR24 hat da echt gute Arbeit geleistet.

  4. Hallo Johannes

    Vielen Dank für deine sehr interessanten Infos.
    Da ich selbst Pilot bin ist das Projekt einfach Klasse.

    Derzeit läuft ein Raspby & Stick einwandfrei und es kommen laufend Daten (RAW, Port 3002).

    Habe aber ein paar Fragen:

    1) Trotz Daten erfolgt die Anzeige der LFZ nur spärlich in der Google-Karte
    2) Welche Version von VRS hast du beschrieben ? Die Seite “Optionen” mit den Einstellungen sieht bei mir anders aus. Ich verwende Version 2.2.0, Win7
    3) Gibt es eine kostenpflichtige VRS Version, die mehr kann ?
    4) Ist etwas bei der Firewall bzw. Kaspersky zu beachten ? Derzeit läuft alles lokal in einem Netz (1 Raspy, 1 PC mit VRS, 1 PC Explorer)
    5) Kann man den Server-Filter auf bestimmte Flugzeukennungen setzen ? ich möchte primär nur Flugzeuge unseres Flugsportvereines anzeigen

    Vielen Dank für die Unterstützung.

    Liebe Grüße aus Wien

    Werner

    1. Hallo Werner,

      puh, ich kann dir gar nicht so viele Details zum Virtual Radar Server nennen, da ich mich schon länger nicht mehr mit ihm beschäftigt habe. Ich habe während der Ertellung meiner Blog-Posts die Version 2.0.2 im Einsatz gehabt. Mittlerweile gab es ja einige Updates. Ich denke, du wärest im Forum vom VRS am besten aufgehoben (http://forum.virtualradarserver.co.uk/). Dort antwortet der Autor des Tools ja selber relativ häufig, so dass du da Lösungen finden dürftest.

      Zu 4) kann ich noch sagen: Ja, die Firewall muss bestimmt angepasst werden. Je nach dem, ob du auch aus dem Internet Zugriffe auf deinen VRS erlauben möchtest, musst du a) in der Firewall in deinem Internet-Router ein “Port-Forwarding” einrichten, und b) auf der Firewall auf dem Windows-PC (auf dem VRS läuft) ebenfalls erlauben, dass Verbindungen von überall (also dem Internet) erlaubt sein sollen.

      Bei 5) kannst du vermutlich Filter in der GUI im Browser setzen. Außer du möchtest den Filter generell gesetzt haben, dann evtl. mit dem Custom Plugin, so wie ich es gemacht habe. Da musst du mal selber gucken, ob das geht.

      Ciao,
      Johannes

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